BEUMER Group: Gefragt sind die Lösungsanbieter, nicht so sehr die Produktlieferanten

Beckum, 06. Juli 2016 – Ein Interview mit Gregor Baumeister, Leiter des Geschäftsbereichs Palettier- und Verpackungssysteme, BEUMER Group

Herr Baumeister, seit Oktober 2015 sind Sie Leiter des Geschäftsbereichs Palettier- und Verpackungssysteme bei der BEUMER Group in Beckum. In dieser Funktion steuern und koordinieren Sie das globale Kompetenzzentrum in diesem Geschäftsfeld. Was sind Ihre Aufgaben und welche Ziele möchten Sie erreichen?

Gregor Baumeister: Mit der Leitung des Geschäftsbereichs Palettier- und Verpackungssysteme habe ich eine überaus spannende und vielfältige Aufgabe übernommen. In dieser Position steuere und verantworte ich über das Kompetenzzentrum sämtliche Aktivitäten des weltweiten Vertriebs. Gemeinsam mit meinem Team bin ich zudem für die Entwicklung und den Ausbau des umfangreichen Lösungsportfolios verantwortlich. Mein Ziel kann ich sehr einfach formulieren: Ich will das weltweite Wachstum dieses Geschäftsfelds stetig vorantreiben. Um das zu erreichen, müssen wir uns regional ausgewogen aufstellen, damit wir unsere Kunden überall auf der Welt optimal betreuen können. Wir setzen auf Industrien mit Potenzial, aber unterschiedlichen Konjunkturzyklen. Und Branchen, in denen wir fest etabliert sind, wie Baustoffe, Chemie oder Konsumgüter, werden wir weiterhin mit intelligenten Lösungen ansprechen.

Können Sie die Vorgehensweise des Kompetenzzentrums näher erklären? Und wie profitieren ihre Kunden weltweit davon?

Gregor Baumeister: In unseren Zielbranchen integrieren wir Verpackungs- und Intralogistik-Lösungen für branchenspezifische Anwendungen. Ein gutes Beispiel sind ganzheitliche Verpackungslinien für die chemische Industrie. Das Schüttgut gelangt vom Silo über eine Förderstrecke zu unserer innovativen Form-Fill-Seal-Anlage (FFS-Anlage). Die Absackmaschine ist mit einer integrierten hochpräzisen Wägetechnik ausgerüstet. Damit stellt sie die reproduzierbare Gewichtsgenauigkeit der Säcke sicher. Anschließend stapeln unsere zuverlässigen Hochleistungslagenpalettierer aus der Produktserie BEUMER paletpac die Säcke effizient auf Paletten. Um die Ladung zu sichern, setzen unsere Kunden auf die innovativen Hochleistungsverpackungsanlagen der Serie BEUMER stretch hood. Alle Maschinen dieser Linie nutzen das gleiche Human Machine Interface (HMI). Dies erleichtert dem Anwender die Bedienung und verkürzt seine Einarbeitungszeit deutlich. Am Ende dieser Verpackungslinie geht es aber noch weiter: Mit unseren Systemlösungen sorgen wir dafür, dass die palettierte und verpackte Ware weitergeleitet wird zur Einlagerung in einem angeschlossenen Lager – oder direkt weiter zum Versand. Dabei stellen wir mit unseren Systemen eine durchgängige Material- und Datenverfolgung sicher.

Optimierte Palettenverpackung und Palettierung
Optimierte Palettenverpackung und Palettierung

Die entsprechenden Lösungen und Kompetenzen, um diesen Materialfluss zu realisieren, haben wir in unserem Intralogistik-Team gebündelt. Der Kunde erhält damit komplette Lösungen aus einer Hand. Das Team entwickelt auch Sonderlösungen für sehr anspruchsvolle Aufgabenstellungen. Wir haben zum Beispiel eine hoch redundante Applikation für die Kautschukindustrie installiert, die einen effizienten Materialfluss ermöglicht, sowie komplexe Verpackungssysteme, die bei holzverarbeitenden Unternehmen weltweit im Einsatz sind.

Welche Erfahrungen bringen Sie in Ihre neue Tätigkeit mit ein?

Gregor Baumeister: Ich konnte in meinem Berufsleben umfangreiche Erfahrungen in der Intralogistik sammeln, die ich in meiner jetzigen Position bei BEUMER hervorragend nutzen werde. Dazu gehörten zum Beispiel mehrjährige Aufenthalte im Ausland. Das prägte mein multikulturelles Verständnis. Für namhafte Anbieter von Verpackungslinien und Intralogistiksystemen hatte ich unter anderem verantwortliche Tätigkeiten in Technik und Vertrieb übernommen. Zuletzt hatte ich eine internationale Vertriebsleitungsposition bei einem Anbieter und Hersteller von Logistiksystemen, Logistiksoftware, Arbeitsplatzeinrichtungen und Lagertechnik. An meiner neuen Aufgabe bei BEUMER reizt mich insbesondere die ganzheitliche Aufgabenstellung, die mit der Führung dieses Geschäftsfelds verbunden ist.

Wie haben sich die Anforderungen an die Intralogistik und insbesondere in der Abfüll-, Palettier- und Verpackungstechnik im Lauf der vergangenen Jahre verändert?

Gregor Baumeister: Ich sehe auch in diesem Geschäftsfeld einen klaren Trend zu integrierten Systemen. Außerdem wünschen sich die Kunden die Komplettlösung aus einer Hand und damit nur einen – zuverlässigen und kompetenten – Ansprechpartner für die komplette Aufgabenstellung. Gefragt sind immer weniger Produktlieferanten als vielmehr Lösungsanbieter. Das heißt jedoch nicht, dass wir keine Einzelmaschinen mehr verkaufen. Wir stellen nur insbesondere bei sehr großen Unternehmen wie Baustoff- oder Chemiekonzernen fest, dass sie die Verantwortung bündeln und nur noch einen Ansprechpartner für ihre gesamte Linie wollen.

Gefordert ist ein kontrolliertes, fehlerfreies und vor allem sachgerechtes Handling der Produkte. Inwieweit hat sich damit der Stellenwert der Steuerungstechnik in der Intralogistik gewandelt?

Gregor Baumeister: Sie schneiden ein sehr umfangreiches Thema an. Die Steuerungstechnik ist ein zentraler Bestandteil eines jeden mechatronischen Systems. Und gerade im Umfeld von Industrie 4.0 wird der schon seit Jahren bestehende Trend zusammengefasst, Material- und Datenflüsse zu parallelisieren. Wir sehen darin eine Evolution, der wir sehr aufgeschlossen und positiv gegenüber stehen. Denn die Vorteile, die der Anwender von sich selbst optimierenden und steuernden Systemen hat, liegen auf der Hand. Sie erkennen zum Beispiel selbstständig Blockaden im Materialfluss und wählen alternative Routen. Oder: Die Werkstücke tragen alle wichtigen Informationen in Form von Parametern über den Ablauf der Produktion in sich. Sie wissen, wer sie sind und können sich über die  RFID-Technologie mit der Anlage ‘unterhalten’.

Wie realisieren Sie bei den Anwendern sicher gesteuerte und geregelte Materialflüsse?

Gregor Baumeister: Das hängt immer davon ab, wie komplex die Aufgabenstellung ist. Manche Anwendungen lassen sich allein auf SPS-Ebene umsetzen. Andere wiederum erfordern übergeordnete Materialflussrechner oder Warehouse-Control-Systeme. Jedes System, das wir planen und installieren, basiert zwar auf Standardmodulen, doch die Lösung ist ganz spezifisch auf den Kunden abgestimmt. Denn keine Kundenanforderung gleicht eins zu eins der anderen.

BEUMER hat sich vom Maschinenbauer zum Systemintegrator und zum Softwareanbieter weiterentwickelt. Wie profitieren Ihre Kunden davon?

Gregor Baumeister: Das eine ist untrennbar mit dem anderen verbunden – und Unternehmen wollen ja auch nur noch einen Ansprechpartner haben. Wer also Systeme integriert, muss auch die zugehörige Software anbieten. Liefern wir für einen Kunden eine komplette Verpackungslinie mit angeschlossenem Blocklager, erhält er von uns ein voll funktionsfähiges System mit allen mechanischen und elektrischen Komponenten sowie dem dazu passenden Software-Programm. Den Schlüssel, um die Performance oder die Energieeffizienz zu steigern, sehen wir häufig in softwarebasierten Strategien. Nehmen Sie zum Beispiel im Auto die Getriebewahltaste „Sport“ und „Eco“. Das Umschalten erfolgt nicht mechanisch, sondern übernimmt die Software. Und genauso verhält es sich mit den verschiedenen Betriebszuständen in intralogistischen Systemen.

Worum handelt es sich bei diesen Intralogistik-Systemen, und welchen konkreten Nutzen hat der Anwender davon? In welchen Branchen kommen sie zum Einsatz?

Gregor Baumeister: Für die Anwender sind wir Problemlöser, und so wollen wir von der Industrie auch wahrgenommen werden. Das zeigen wir mit diesen Systemen. Wir bringen keine sogenannten „Me too“-Lösungen auf den Markt, sondern äußerst effiziente und spezifische Systeme, die ganz individuelle Herausforderungen meistern. Ich hatte vorhin eine hoch redundante Applikation für die Kautschukindustrie erwähnt. Das ist ein sehr gutes Beispiel. Bei dieser Anwendung müssen die Kautschukballen nach dem Schneiden foliert und in große Behälter verpackt werden. Die spezielle Herausforderung dabei: Sie dürfen auf der Fördertechnik nicht anhalten, sonst würde der Kautschuk fließen, und ein Transport wäre nicht mehr möglich. Wir haben für den Kunden ein System entwickelt, das in allen Betriebszuständen einen kontinuierlichen Materialfluss sicherstellt. Umgesetzt haben wir das mit Komponenten aus unserem bewährten Portfolio. Dabei nutzen wir auch Technologien aus anderen Branchen – zum Beispiel transferieren wir Lösungen aus dem Geschäftsfeld Airport auf die Reifenindustrie. Weil wir branchenübergreifend arbeiten, können wir unseren Kunden ganz unterschiedliche Perspektiven anbieten.

Aus welchen Bestandteilen sind diese Systeme aufgebaut, und lassen sie sich modular erweitern?

Gregor Baumeister: Bei den Bestandteilen handelt es sich im Wesentlichen um Transporttechnologien wie Fördertechnik oder um fahrzeugbasierte Systeme. Dazu kommen beispielsweise verschiedene Handlinglösungen und Manipulatoren wie Roboter, Puffer- und Lagermodule. Weil wir dabei immer auf unseren Systembaukasten zugreifen, sind die Lösungen jederzeit erweiterbar und können mit dem Geschäft des Kunden mitwachsen. Eine gute Planung sieht auch immer verschiedene Wachstumsszenarien vor. Bereits in der Auslegungsphase planen wir deshalb potentielle Erweiterungen ein.

Gregor Baumeister ist Manager der Palettier- und Verpackungstechnik der BEUMER Group (Photo: BEUMER Group GmbH & Co. KG)
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